Rund 100 Fälle Jahr für Jahr, die meisten Fälle mit „Nutzerverschulden“. Trotz für alle zugängliche Infos aus dem Internet sind fast alle Beteiligten heillos überfordert. Vielleicht liegt es daran dass die auch rechtlichen Rahmenbedingungen vom Normeninstitut gut geschützt, und nur käuflich zu erwerben sind. Zumindest diesen Mißstand kann ich in wichtigen Punkten beheben und hier meinen Normenkommentar veröffentlichen: ÖNORM B8110, Teil 4 – Vorgaben zum Normklima! (5 von 8 Seiten – Wer den gesamten Kommentar haben möchte schickt ein Mail an: bauherrenhilfe (at) gesetz.at ) Also wir könnten auch so bauen dass selbst bei subtropischem Feuchteeintrag kein Schimmelpilz wuchern kann, beispielsweise in Passivbauweise mit einer Wohnraumlüftung. Aber das ist baurechtlich niemanden vorgeschrieben, so daß wir mit Vorgaben zum Raumklima und Schuldzuweisungen leben müssen. Wer das Normklima wesentlich und dauerhaft nicht einhält und dadurch einen mikrobiellen Befall riskiert, der riskiert auch seinen Mietvertrag, oder beschädigt sein Eigentum. Gefährdet jedenfalls seine Gesundheit
Schadensfall im geförderten Wohnbau – eine Familie asiatischer Herkunft:
Der gegenständliche Fall war kein Hervorzuhebender. Ausgenommen vielleicht dass die Raumklimadaten weit über die Vorgaben hinaus feststellbar waren. Über 70% relative Luftfeuchtigkeit bei „normgerechten“ 22°Celsius bedeuten bei 1015hPa 13,8g Wasser/m3. Bei der Obergrenze zum Normklima sind es noch MAXIMALE 10,8g/m3, immer noch weit entfernt vom sicher schimmelfreien Wohnen. Somit war die thermografische Kontrolle der betroffenen Bauteile eher zur Formvollendung gedacht. Ich verlasse keine Wohnung ohne die Betroffenen über das zumindest „Vorab-Ergebnis“ aufzuklären, und Tipps zum richtigen Umgang zu geben. Wie so oft gab es auch hier folgende Tipps:
  • –>Hygrometer zur Kontrolle der Luftfeuchte kaufen, bei exponierten, heiklen Bereichen aufhängen. (Im gut durchlüfteten Wohnzimmer über der Heizung bringt eine Kontrolle nichts.)
  • –>An den betroffenen, mit Schimmelpilzen befallenen Fenstern die an der Decke montierte Vorhangschiene verhindert Konvektion warmer Luft zu den Außenbauteilen. Besser Vorhangschienen und die Vorhänge mit großen Ringen aufhängen. So oft als möglich die Vorhänge offen lassen, die warme Luft soll die Fenster „überstreichen“ können. Kein Problem bei Öfen, Wärmestrahlung!
  • –>Den Schreibtisch von der Glaskonstruktion abrücken, idealerweise kürzen – siehe Vorhänge (Analog zum üblichen Kasten v.d. Wand abrücken)
  • –>Fenster und glatte Bauteile regelmäßig reinigen – Schimmel setzt sich vorwiegend auf Stäuben (Hautschuppen,…) ab
  • –>Wäsche idealerweise im Kondensations-Trockner trocknen, bei Nasstrocknung für verstärkte Beheizung und Lüftung sorgen
  • –>Blumentöpfe beherbergen oft Millionen an Pilzsporen, regelmäßiges Umtopfen und Prüfen
  • –>Beim gerne propagiertem Stoßlüften wird nur die Raumluftfeuchte abgeführt, die an der Oberfläche gebundene bleibt erhalten. Hier hilft die „kontrollierte“ Kipplüftung (kleiner Spalt, Zeitdauer experimentell bestimmen, Bauteil warm halten)Andernfalls steigt die Luftfeuchte kurz nach dem Lüften schnell wieder an.
Also dauert mein Messprogramm auch bei diesem Fall 1/2 Stunde, und die folgende Erläuterung noch mal mindestens so lange. Damit möchte ich vermeiden dass es wieder Kommunikationsprobleme zwischen Mieter und Hausverwaltung gibt. Die Sache mit Mietzinsreduktionen aufgrund selbstverschuldeten Schimmelbefall ist unangenehm genug. Mein Termin vor Ort soll das Problem lösen, nicht verkomplizieren. Und das ist richtige Information angesagt. Leider findet sich die im Internet nur sehr versteckt, am besten meiden sie überhaupt die üblichen Foren…

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