Informationsaustausch für Sachverständige

Ein Forum für Sachverständige? Informationsaustausch zur am Markt befindlichen Gerätetechnik? Findet man alles auf der Vereinsseite von “Bauherrenhilfe.org – der Verein für Qualität am Bau“. Und die Bauqualität verbessert auch wer an der Sachverständigenarbeit feilt!  Es ist sicher ärgerlich wenn auf der Baustelle eine Bohrmaschine nicht funktioniert, aber bei Messtechniken entscheidet die Zuverlässigkeit der Messgerät über das Ergebnis, allenfalls auch über den Ausgang der Streitigkeit / Gerichtsverhandlung!  Nachdem ich immer wieder Anfragen von Kollegen und auch von Bauinteressierten bekomme schreibe ich hier über meine Erfahrungen und Empfehlungen zu den von mir verwendeten, wichtigsten Geräten.

Ohne Messtechnik geht nix!

  • Mindestneigung Blechdächer 5° – da braucht es die geeichte Neigungswaage
  • Mindestneigung Sohlbänke 5° – ebenso zuverlässig nur mit Neigungswaage messbar
  • Eine erste Übersicht zulässiger Unebenheiten auf Böden – dafür sind NIRO-Kugeln gut geeignet
  • Kellerundichtheiten? – der gute SV läßt sich gerne von elektronischen Ortungsmöglichkeiten helfen
  • Schimmel durch Wärmebrücken / schlechte Lüftung? – Infrarotkamera mit Raumklimamessgerät
  • Belegreife am Estrich erreicht? – Zulässig messbar nur mit dem CM-Messkoffer
  • Keller ausbaufähig oder nicht – Für jede Anwendung das richtige Feuchtemessgerät!
  • Lackstärke zu Blechanstrich richtig? – Schichtstärkenmessgeräte decken es auf
  • Schlosser / Spengler die richtige Materialstärke verarbeitet?- Dickenmessgeräte verwenden
  • n50-Luftwechselzahl ermitteln? – Die Blowerdoor unterstützt den Luftdichtheitsprüfer
  • Zugluft bei Fenster oder Steckdose ? Strömungsprüfröhrchen zeigen es
  • Schimmel hinter Hohlräumen? Zerstörungsfrei schafft den Einblick die Hohlraumkamera
  • Abstände der Beton-Stahlbewehrung? – zerstörungsfrei mit Bewehrungssuchgerät
  • Stimmt die Betonqualität – der “elektronische Betonprüfhammer” gibt einen 1. Überblick

Aber nicht alle Hersteller liefern die gewünschte Qualität, von Hygrotest zu Trotec zu GANN 

Über 10 Jahre habe ich mit dem E-Widerstandsmessgerät TESTO “Hygrotest 6500” gemessen. Das habe ich schlussendlich auf einer Baustelle vergessen… Leider  hat Testo dieses Gerät aus dem Programm genommen, der eigentliche Hersteller hat die Produktion eingestellt. Auf der Suche nach einer Alternative bin ich beim Trotec T2000S gelandet. (Vergleicht mal die Kabelstruktur, massiv bei Hygrotest! Wer noch neue Geräte hat – ich kaufe alle!) Nach wenigen Monaten sind die filigranen Kabel von Gerät zu Messsonden gebrochen. Trotec hat mir freundlicherweise ein neues Kabel geschenkt, doch ist das mittlerweile auch wieder kaputt. Zur Sicherheit habe ich immer alternative Messgeräte mit, sonst hätte ich Messungen neu terminisieren müssen. Das hat mich nun bewegt komplett zu GANN zu wechseln. Die liefern das volle Programm in jeweils kürzester Zeit. Alle Geräte funktionieren bis dato einwandfrei!

 

Im Büro der Wahnsinn mit Druckerpatronen – am Bau der mit den Sägen von FEIN

Leider lass ich viel zu oft meine Geräte auf Baustellen zurück, so habe ich auch meine erste Fein-Säge auf einer Baustelle zurückgelassen. Nachdem ich mich ständig über die geringe -eigentlich gar keine- Haltbarkeit der Verbrauchsmittel -Sägen- geärgert habe wechselte ich auf eine oszillierende Säge von Bosch. Nachdem das Patent von FEIN scheinbar ausgelaufen ist gibt es dieses an sich geniale Werkzeug nun auch seit längerem von anderen Herstellern. 2-3 Bauteilöffnungen mit weichen OSB-Platte und die Fein-Sägen waren kaputt. Bosch sollte es besser machen, nur dann leider doch nicht, da hielt dann nicht nur das jeweilige Sägeblatt nicht, es ging gleich die gesamte Maschine kaputt. Also doch wieder ein Fein-Gerät angeschafft. Gute 500 Euro mit ein paar Ersatzsägen muss man dafür schon zahlen! Es ist ein Riesenärgernis dass man ein paar male in Gipsplatten oder OSB-Platten schneiden und dann das Werkzeug stumpf ist!  Leider brauch ich für Bauteilöffnungen dieses Werkzeug.Werde mir aber Stich- und Handkreissägen mit Akku anschaffen.

 

Vorbei die Zeit des Goldrausches bei Infrarotkameras – Testo sei Dank! 

Vor rund 6 Jahren habe ich die 1.Infrarotkamera von FLIR angeschafft, hat lange gedauert, über 20.000 Euro galt es hinzublättern! Viele gute Kollegen hält das vom Kauf ab. Anbieter wie Testo haben den Markt gottseidank umgedreht, günstigere Infrarotkameras haben Wärmebildkameras einer breiteren Fachkollegenschaft zugänglich gemacht. Waren die Billig-Lampen anfangs in Preisklassen von 2 – 5 Tsd. Euros naturgemäß noch mit schlechter Technik ausgestattet ist dies mittlerweile nicht mehr der Fall. Zwischenzeitlich arbeite ich auch mit einer Infrarotkamera von Testo welche knapp die Hälfte von der Flir-Kamera kostet, aber zumindest gleich viel leistet. Die thermische Auflösung ist sogar höher, der Komfort ebenfalls, inklusive Feuchtefühler und Profi-Software kostet diese nur mehr etwas über 8 Tsd. Euro (Nettopreise)! Jetzt hat zwar auch FLIR schon die Preise gesenkt, aber lange hat man die Preise hochgehalten. Testo 882 ist nun für mich 1. Wahl, erweitert mit Feuchtefühler, 640×480 Pixel!

 

Streit der Gutachter bei Feuchtemessungen?

Fast alle messen mit kapazitiven oder elektrischen Widerstandsfeuchtemessgeräten. Obgleich hier -ausgenommen bei Holz- keine quantitativen Rückschlüsse auf den Feuchtegehalt in Masseprozent möglich sind. Es werden quasi vergleichende Messungen zur Baustofffeuchte vorgenommen. Die Königsklasse der Baustofffeuchtemessung, die Darr-Messung oder auch die CM-Messung ist wenig verbreitet. Zu Recht ist meine Meinung!  In 99% meiner Fälle messe ich seit dem  Jahr 2000 über den Elektrowiderstand bzw. die dielektrische Feuchtemessung. In seltenen Fällen besonders strittiger Fälle führe ich eine CM-Messung vor Ort aus, die Darrmessung -wenn es exakt sein muss- gebe ich bspw. an das OFI weiter. Dazu braucht es ein Labor.  Als Anbieter empfehle ich gerne die Firma GANN,    alle 3 von mir angewandten Messtechniken sind da erhältlich. Zudem mit einem zentralen Gerät KAPAZITIV und mit Elektrowiderstand gemessen wird!

  

Hohlraumkamera von Wöhler mit (kleinen) Macken 

Ebenso regelmäßig in Verwendung die Inspektionskamera, bzw. Hohlraumkamera oder Kanal-Kamera von Wöhler. Gleich ob hinter Kästen oder in Abflussrohren, alles läßt sich in bester Qualität und Farbe und sogar mit beweglichem Kamerakopf begutachten. So sind oft nur kleine Löcher nötig, um hinter Vorsatzschalen zu sehen.  Knapp unter 6000,- € sind Kameras kein Schnäppchen, aber die beste Lösung vor den High-End-Kameras um rund 20-30 Tsd-Euro. Was können die dann noch besser? Nichts, aber das Bild ist immer waagerecht! Die teuren Kameras haben eine digitale Wasserwaage im Kamerakopf integriert, damit läßt sich die Orientierung in jeder Lage aufrechterhalten. Das war mir den Aufpreis aber nicht wert. Nachteilig gebe ich bei der Wöhler VIS 340 die integrierten Akkus aus. Die haben von Anfang an nicht funktioniert, dann war gleich zu Beginn der kleine fixe 40mm Kamerakopf tot, wurde aber anstandslos getauscht. Und ärgerlich sind die Schutzkuppeln aus Plexiglas, die zerkratzen sehr schnell und darf man dafür regelmäßig bei Wöhler nachbestellen. Ein Verbrauchsmittelumsatz ähnlich dem von Fein und den berüchtigten Druckerpatronen. Für Lupen und Rissmessgeräte empfehle ich PEAK ohne Einschränkung

  

 

Luftdichtheitsprüfungen zur Schadensauswertung 

Derzeit messe ich mit der Blowtest von LTM, nachdem ich Förderungsprüfungen nur im Rahmen von Begutachtungen vornehme geht das gerade noch. Respektive ist der Aufbau und das Handling sehr einfach, bei Baubegehungen ohne Assistenz bietet sich die Blowcheck an. Sicher besser für Auswertungen zwischendurch, beispielsweise bei Ausbesserungen während der Leckortung, ist die Minneapolis Standard von Blowerdoor.de. Ich spiele mit dem Gedanken umzusteigen… Dem Neueinsteiger empfehle ich jedenfalls gleich die Minneapolis anzukaufen! Und natürlich die entsprechenden Vorbereitungskurse zu besuchen, ohne einiger Kurse und 2-3 Jahre Praxis wird das nichts, ähnlich wie bei Infrarotkamera, einfach Geräte kaufen ist fahrlässig, verführt zu Falschmessungen und Interpretationen!

 

  

 

Was bleibt ist nicht minder wichtig …

  

 

Bilder und Text dürfen mit Genehmigung des Autors wiedergegeben werden. Autor und Urheberrecht der Bilder: Günther Nussbaum-Sekora

Bau-Sachverständiger
zertifiziert nach EN ISO/IEC 17024
(Zulassung für die europäische Union)
Luftdichtheitsprüfer
Gebäudethermograf, zertifiziert nach EN 473 Stufe 1
Sachkundiger für Schimmelpilzsanierungen – TÜV Akademie
Sonderfachmann für Gebäudeabdichtungen,
Spengler und Dachdeckerarbeiten
(Meisterprüfung mit Zusatzausbildungen)
Sonderfachmann für Trockenbauarbeiten
 
Freier und unabhängiger, zertifizierter Sachverständiger