Algen auf der Fassade und Nanotechnologie

Ein Wohnungseigentumsgemeinschaft ( WEG ) aus Kärnten möchte ein Gutachten über den Algenbefall an der Fassade. Die WEG vertraut den regionalen Gutachtern deswegen nicht, weil der ausführende Bauträger sehr bekannt ist, und daher (s)eine Befangenheit fürchtet. Wenn der Gutachter den Bauträger kennt sollte der den Auftrag nicht annehmen, aber auch in unserer Branche „menschelt“ es, sicher ist sicher. Da verbinde ich die Fahrt nach Kärnten mit einem Familien-Kurzurlaub, führe eine Blower-Door-Messung in einer Wohnung durch und begehe die gesamte Wohnhausanlage…
Nanotechnik gegen ALLES Leben
Der Konflikt um Algenbefall auf Fassaden könnte schon planseitig vermieden werden. Die Ursachen werden in der Fachwelt ausführlich beschrieben, sollten allgemein bekannt sein, dennoch waschen sich nach einem Befall alle in Unschuld. Da wird nur mehr von „höhere Gewalt“, „unvorhersehbar“ und „die unkalkulierbare Kraft der Natur“ gesprochen. Als weiteres „Abfallprodukt“ dieser Ignoranz betrachte ich nanotechnologische Chemie an Beschichtungen und Putzen. Diese sind meist nach etwas mehr als einem Jahr ausgewaschen, belasten Mensch und Umwelt. Grundwasser und Flüsse sind voll von Kunststoffen, die Auswirkungen allesamt unbekannt.
Ursachen für Algenbefall
Wenn sie patinierte, grüne Fassaden möchten, planen und bauen sie wie folgt beschrieben: (Achtung nur für Mikrobiologen)
  • 1) Dämmen sie mit wenig speicherfähiger Dämmung, am besten EPS, in möglichst hoher Dämmstärke. Damit sorgen sie dafür dass  Wärme nur bei direkter Sonnenbestrahlung in der Putzschichte vorliegt. Scheint die Sonne nicht kühlt der Putz schnell ab. Das erhöht zuverlässig die Zeit an der Oberflächentauwasser für mikrobiellen Befall zur Verfügung steht. Vermeiden sie massive Dämmstoffe oder dicke Putze, da diese die Sonnenenergie länger speichern und damit Tauwasser abtrocknen lassen! Bauen sie keinesfalls mit einem hochwärmedämmenden 50cm Hochlochziegel. Weil da benötigen sie gar kein Wärmedämmverbundsystem mehr. Die Wand würde durch die Wintersonne aufgewärmt, die Tauwasserzeiten würden sich gegen Null minimieren!
  • 2)Orientieren sie das Gebäude so daß möglichst viele Bauteile direkt nordseitig liegen, Fassaden mit wenig Sonnenbestrahlung danken es mit einer bunten Lebensvielfalt
  • 3)Situieren sie das Gebäude direkt an Bäume, Wälder, Sträucher, ideal sind Teiche, Flüsse, neben Tauwasseranfall sorgt auch eine permament hohe relative Luftfeuchtigkeit und vorhandene Sporenfracht für die Grundvoraussetzungen zu Algen- und Flechten am Gebäude
  • 4)Ideal ist die Kombination von 2,3 und einer guten Verschattung durch Nachbargebäude, vermeiden sie nur die Sonne und Windeinwirkung. Wind trocknet die Fassade!
  • 5)Vermeiden sie Dachvorsprünge, Vordächer und auskragende Gesimsekonstruktionen. Diese schatten die Fassade vor dem kalten Nachthimmel ab. Bei wolkenlosem Himmel kommt es Nachts (nicht nur im Winter) zu einer Abkühlung durch das kalte Weltall. Das Weltall bestrahl die Erde mit etwas 3°C über dem absoluten Nullpunkt – -273,1°C oder 0 Kelvin – und somit mit rund -270°C. Das bedeutet dass die „Wärmestrahlung“ vom Weltall die nicht durch Überstände geschützte Fassade um ein paar Grad Celsius unter die Umgebungstemperatur abkühlt. Damit wird bei hoher Luftfeuchte schnell die Taupunkttemperatur unterschritten. Das in der Luft gebundene Wasser kondensiert an der kühlen Fassade aus. Freies Wasser ist Grundvoraussetzung für mikrobiellen Befall.
  • 6)Damit die nächste Grundbedingung für mikrobiellen Befall: Silikonputze, hydrophobierende Oberflächen verwenden. Ein mineralischer Putz würde das Tauwasser aufsaugen, es stünde demnach nicht so gut für Algen- und Pilzbefall zur Verfügung. Noch schlechter wäre Kalkputz, dieser ist stark alkalisch, und das mögen die Pilze nicht. Daher am besten Silikonputze mit grober Struktur verwenden, damit das Wasser möglichst lange vor Abtrocknung durch Wind geschützt werden kann.
  • 7)Bauen sie möglichst undichte Sohlbänke und luftundichte Sonnenschutzsysteme ein. Eine luftundichte Gurtführung für einen Aussenrolladen kann die darüberliegende Fassade täglich mit einigen Litern Frischwasser versorgen – siehe Bilder. Undichte Sohlbänke und im Besonderen die punktweise Verklebung von Sohlbänken stellen die idealen Bedingungen für „Feuchtbiotope“ direkt am Gebäude dar. Diese können die „Initialzündung“ für einen Befall darstellen. Elektrisch betriebene, und damit luftdichte, Aussenrolläden tragen nichts zur Befeuchtung der Fassade bei. Das gilt ebenso für fachgerecht, innen luftdicht, verklebte Bauanschlussfugen bei Fenstern und Türen. ( Nach ÖNORM B5320 ) Sowie auch für vollflächig verkebte Sohlbänke mit seitlich dauerhaft dichter Anbindung. Diese tragen nichts zum Algenbefall an Fassaden bei!
Demnach vergeben wir den „Bauherrenhilfe-Preis-des-Monats“ an unser Objekt in Kärtnen. Hier hat sich der Bauträger vorbildlich an alles gehalten um mikrobiellen Befall an der Fassade zu ermöglichen. Keine Dachüberstände, nordseitig dick gedämmte Polystyrol-Fassaden mit hydrophobierenden Putz, Anbau direkt an Wälder, Sträucher direkt an der Fassade, kein Spritzwasserschutz, undichte Sohlbänke, Luftundichtheiten bei Fenstern und Rolladenkästen. Hier gedeihen Algen und Schimmelpilze bereits wenige Jahre nach Neubau. Nur die Bewohner üben sich im Kampf gegen die Natur, wollen das nicht hinnehmen. Die meinen die Algen und Pilze sollen dorthin wo sie ihren Platz haben: In den Wald, in die Natur.